SALZBURG. Kein Fernseher im Zimmer, dafür Hopfenfelder vor der Haustür, eine eigene Brauerei und Lebensmittel aus der biologischen Landwirtschaft: Nur wenige Kilometer von Salzburg entfernt verfolgt das Stiegl-Gut Wildshut ein ungewöhnliches Konzept. Österreichs erstes Biergut verbindet Braukultur, Kulinarik und bewusste Entschleunigung.
Die Geschichte des Guts reicht weit zurück: Der historische Kern geht auf eine Burg aus dem 12. Jahrhundert zurück, 1917 kam Wildshut in den Besitz der Stieglbrauerei zu Salzburg. Seit 2015 ist das Biergut für Besucher geöffnet.
Heute treffen auf dem weitläufigen Areal Landwirtschaft, Brauerei, Gastronomie und Beherbergung aufeinander. Zwei Hopfenfelder gehören ebenso dazu wie biologische Landwirtschaft und Tiere, darunter Shropshire-Schafe. Dahinter steht die Idee einer möglichst geschlossenen Kreislaufwirtschaft.
Kein Fernseher, kein Telefon im Zimmer
Auch im Gästehaus wird das Konzept der Entschleunigung konsequent weitergeführt. Die individuell gestalteten Zimmer setzen auf heimische Materialien, Zirbenholzbetten und Hopfenkissen. Auf Fernseher und Zimmertelefon wird bewusst verzichtet.
Wer noch mehr Ruhe sucht, findet einen eigenen „Raum der Stille“ für Yoga, Meditation oder einfach eine Auszeit. Saunen und Ruhebereiche ergänzen das Angebot.
Das mag angesichts eines Alltags, in dem das Smartphone fast immer griffbereit liegt, zunächst ungewöhnlich wirken. Genau dieser bewusste Verzicht gehört in Wildshut jedoch zum Konzept: weniger digitale Ablenkung, mehr Natur und Ruhe.

Spitzenkoch Stefan Sigl setzt auf Produkte aus der Region
Eine zentrale Rolle spielt auch die Küche. Seit 2023 ist Stefan Sigl Küchenchef im Bio-Restaurant „Einkehr“. Der Salzburger Koch sammelte zuvor unter anderem im Steirereck bei Heinz Reitbauer sowie in internationalen Spitzenküchen Erfahrung.
In Wildshut setzt er auf eine regionale und biologische Produktküche. Verarbeitet wird, was auf den Feldern des Guts wächst, aus der eigenen Landwirtschaft kommt oder von ausgewählten Produzenten aus der Umgebung bezogen wird. Auf den Tellern landen unter anderem alte Getreidesorten, fermentiertes Gemüse und Spezialitäten vom Mangalitza-Schwein.
Die „Einkehr“ wurde von Gault&Millau mit zwei Hauben ausgezeichnet und erhielt von Falstaff 87 Punkte. Das Gut ist außerdem Mitglied der Slow-Food-Bewegung.
Selbst bei der Einrichtung wurde auf Wiederverwendung gesetzt: Teile des Bodens und der Einrichtung stammen aus Materialien der Stiegl-Brauerei. Regale wurden beispielsweise aus alten Holzbierkisten gefertigt.


Vom Feld bis ins Bierglas
Herzstück von Wildshut bleibt die Braukultur. Statt großer Produktionsmengen stehen Spezialbiere und der Weg der Rohstoffe vom Feld bis ins Glas im Mittelpunkt. Das verwendete Wasser stammt aus einem eigenen Brunnen und wird vor Ort aufbereitet.
Neben Bier entstehen auf dem Gut auch Spirituosen. Der Wildshut Bio-Hopfen-Gin wurde bei den World Spirits Awards mit Doppelgold ausgezeichnet, der Bio Single Malt Whisky mit Silber.
So ist wenige Kilometer von Salzburg entfernt ein ungewöhnlicher Rückzugsort entstanden, bei dem nicht ein klassisches Wellnessprogramm im Mittelpunkt steht. Wildshut setzt vielmehr auf eine Kombination aus Landwirtschaft, Brauhandwerk, regionaler Küche und bewusstem Verzicht – und damit auf eine Form des „Slow Life“, die bereits beim Ausschalten des Fernsehers beginnt.
Ein Beitrag von Thomas Leitner





